| I. Das Leben ist hart
Es war ein Mal eine Haselnuss. Die Haselnuss hing an einem Ast
eines großen kräftigen Baumes. Wie jeden Tag in der Mittagszeit,
genoss die Haselnuss die warmen, hellen und wohltuenden Strahlen
der Sonne. Vom weitem Klang das Wehen des Windes wie Musik. Die
Grünen, kräftigen Blätter des Baumes und die Anwesenheit der anderen
Nüsse gab dem Baum ein unendliches Gefühl der Sicherheit, Geborgenheit.
Das Leben ist einfach nur schön, dachte sich die Haselnuss. Gerade
in diesem Moment gab der Baum der, die Mutter aller Wurzeln, Äste
und Haselnüsse war, bekannt dass es eine wichtige Ansprache halten
wollte. „Ach, nein!“ dachte sich die Haselnuss warum, den gerade
jetzt. Aber die Mutter redete bereits schon:
„Das Leben ist teilweise hart,
zeitweise grausam und oft nicht gerecht,
aber es ist egal ob kurz oder lang, immer lebenswert.
Jeder von uns hat eine mehr oder weniger große Aufgabe!
„Was will die den jetzt?“ fragten sich die meisten jungen, noch
heranwachsenden Nüsse und Blätter.“ Sie flüsterten ganz leise unter
einander, den keiner wollte das es die Mutter hörte. Das Geflüster
störte aber die Mutter nicht, sie sprach einfach weiter: „ Bald
wird der Herbst kommen und das Wetter wird schlechter werden. Ihr
die Blätter werdet langsam aber sicher eure Farben verändern. Jetzt
seid ihr grün, ihr werdet bald gelb, rot und braun werden. Jede
einzelne Farbveränderung wird in euch eine wunderschöne Veränderung
hervorrufen. Irgendwann werdet ihr uns bzw. mich verlassen. Jeder
einzelne von euch wird, wenn die Zeit gekommen ist sich lösen und
fallen. Die Blätter unterhielten sich laut und durcheinander, so
das es der Haselnuss nicht wirklich möglich war dem Gespräch zu
folgen. Aber, eigentlich wollte sie es auch gar nichts mitbekommen.
Es wollte den Tag, die Sonne, einfach nur das Leben genießen.
„ Die Erwachsenen, “ flüstere es einigen anderen Nüssen zu „ reden,
reden und reden, das was die da von sich geben brauch doch keine
Nuss der Welt!“
Der Mutterbaum redet während dessen natürlich immer noch weiter.
So bekam die Haselnuss auch davon nur einen Teil mit, was es nicht
hören wollte verdrängte es sowieso gleich. Als die Rede des Mutterbaumes
zu Ende war, seufzte die Haselnuss auf und sagte zu sich selbst:
„ Endlich! Endlich vorbei! Nun kann ich weiter den Tag genießen,
was der Mutterbaum da erzählte interessiert mich nicht. Die Alten,
die haben doch keine Ahnung vom Leben. Von wegen grausam und hart
und so weiter und so fort, ach egal!“ Die Haselnuss entschied sich
einfach nur den Tag zu genießen, es glaubte sowieso nicht an das
was der Mutterbaum da erzählte. Es würde nicht reif werden und den
Mutterbaum verlassen. Denn das wollte es gar nicht. Und wann und
wie es geht bzw. fällt wie es der Mutterbaum genannt hatte entschied
ja nur es selbst. Sonst keiner! Außerdem war es die schönste, rundest
und braunste Haselnuss am ganzen Baum. Es war etwas Besonderes und
es bleib auch etwas Besonderes!
Das Gelaber vom harten, grausamen und unfairen Leben hätte sich
der Mutterbaum wirklich sparen können. Nicht nur die Haselnuss war
der Meinungen sondern auch viele andere Haselnüsse. Dies bestätigte
und bestärkte die Meinung der Haselnuss noch mehr und es begann
wieder seine Lieblingsbeschäftigung auf zu nehmen, nämlich den Tag
zu genießen.
So verging die Zeit, Tag ein Tag aus. Immer wieder versuchte der
Mutterbaum die Wurzeln, Äste, die Haselnüsse über das sogenannte
Leben auf zu klären. Aber die Haselnuss hörte immer wieder nur halbherzig
zu oder vergaß den größten Teil ganz schnell wieder.
Dann kam der Herbst und das Wetter würde tatsächlich schlechter.
Es regnete oft, wurde kälter, die Sonne war immer seltener anwesend
und der Wind wehte so heftig wie noch nie zu vor. Hin und wieder
packte die Haselnuss eine Angst vor dem was da passierte. Jedoch
verdrängte es die auftauchende Fragen und Ängste. Es wollte das
alles nicht wahr haben. Um keinen Preis der Welt wollte es vor allem
sich an den Mutterbaum wenden. Wo möglich müsste es ja dem Mutterbaum
noch eingestehen, dass der Mutterbaum mit seinem Gerede recht haben
könnte. „Nein, nein alles nur das nicht, “ dachte sich die Haselnuss.
Es glaubte immer noch daran dass es die Schönste, und braunste Nuss
war. Es war und blieb etwas Besonderes. Der Mutterbaum liebte es
am meisten. Davon war die Haselnuss überzeugt. Das sagte sie sich
immer wieder.
Irgendwann war alles anders, die Haselnuss war in der letzten Zeit
noch größer, runder und schwerer geworden. Eines Tages merkte die
Haselnuss dass es keinen richtigen Halt mehr hatte. Es blieb wie
versteinert hängen, bewegte sich nicht. Langsam aber sicher packte
es die Angst, aber es beharrte darauf weder dem Mutterbaum, noch
jemand anderen etwas zu sagen. An diesem Tag regnete es ununterbrochen,
der Wind sauste heftig um den Baum herum. Im Laufe des Tages nahm
die Verbindung der Haselnuss mit dem Ast und letztendlich mit dem
Baum immer mehr ab.
Dann passierte es, ein heftiger Windstoß riss die letzte Bindung
zwischen dem Baum und der Haselnuss ab. Die Haselnuss spürte und
hörte zu gleich die Durchtrennung. Anschließend folgte ein dumpfer,
tiefer Schmerz und die Haselnuss begann zu fallen.
Es fiel, weg vom Ast, weg vom Baum. Die blanke Angst überfiel die
Haselnuss. Es war wie erstarrt brachte kein einziges Wort, keinen
Ton heraus. Erst als es sah, das der Boden immer näher kam, schrie
es auf: „ Nein! Mutter bitte lass mich nicht fallen. Bitte lass
mich bei Dir! Ich bin doch etwas Besonderes. Bitte ich will nicht
gehen, noch nicht!“Aber es veränderte sich nichts. Die Haselnuss
fiel weiter. Während des Fallens hämmerten immer wieder Bruchteile
der Aussagen, der Mutter wie Steine auf die Haselnuss ein. Es war
verärgert über den Mutterbaum.
„ Diese Erwachsenen kann keine Haselnuss der Welt verstehen. Erst
labbern sie einen voll mit ihrem Geschwätz, dann lassen sie ein
nicht mal gehen wenn man will! Immer muss man dass machen was sie
wollen. Verdammt, Verdammt!“ schrei die Haselnuss. Es war einfach
nur noch wütend. Wütend auf sich und natürlich auf den Mutterbaum.
Der Mutterbaum half nicht, sagte nichts. Das machte die Haselnuss
noch wütender und die Wut schlug in Aggression und von der Aggression
in Hass um. „Du willst mich nicht mehr, “ fauchte es dem Mutterbaum
entgegen, „ na gut, dann will ich dich erst recht nicht! Ich komme
auch ohne Dich klar!“
Dann hörte die Haselnuss einen lauten Schlag und spürte einen dumpfen
Schmerz. Es war am Boden angekommen. Jedoch spürte die Haselnuss
nicht den Schmerz, den der Schlag hervorrief. Das was es spürte
war ein Gemisch aus vielen verschiedenen, teilweise der Haselnuss
fremden Gefühlen. Was die Haselnuss wahrnahm waren Gefühle wie Trauer,
Wut, Aggression und Verlust.
Es hatte nicht nur den Mutterbaum verlassen, sondern auch die vielen
anderen Haselnüsse und Blätter.Da lag es nun, auf dem nassen und
kalten Boden.
I. Ich mach alles anders
„ Und jetzt?“ fragte sich die Haselnuss. „Was passiert jetzt?“
Es passierte nichts!“
Das Letzte was es machen wollte war den Mutterbaum zu fragen, also
lag es einfach nur da.
Das Wetter wurde immer schlechter, der Wind wehte die Blätter, die
Nüsse einfach hin und her. So passierte es, dass auch die Haselnuss
vom Wind hin und her bewegt wurde. Ein heftiger Windstoß hob die
Haselnuss vom Boden und nahm es mit.
Die Haselnuss wurde nicht mehr nur hin und her bewegt, es wurde
auch noch durch die heftigen Windstöße auf und nieder geschmettert.
Dies ging die ganze Nacht über so. Die Haselnuss wusste nicht wo
es war, es empfand alles was es in den letzten Stunden widerfahren
hatte als ungerecht und grausam. Irgendwann hatte es aufgehört nach
zu denken, wahr zu nehmen und zu fühlen. Als die Sonne den Tag ankündigte,
hörte endlich der Sturm auf. Die Haselnuss wurde nicht mehr hin
und her bewegt, es kam endlich zum Stehen.
Erst traute sich die Haselnuss nicht die Umgebung an zu schauen,
dann aber als es merkt, dass der Sturm tatsächlich vorbei war, schaute
es sich doch um. Es war an einem fremden Ort angekommen. „ Der Mutterbaum
muss weit weg sein, “ dachte es sich. „ Und jetzt? Wo bin ich eigentlich?
“Was passiert, wohl mit mir?“ Die Haselnuss hatte Angst vor dem
was noch folgen wurde. Es hörte Stimmen und Schritte von Menschen.
Der Boden auf dem es lag war hart, kalt und grau. Die Menschen traten
auf alles was auf dem Boden lag. Leider auch auf die Haselnuss.
Es tat der Haselnuss jedes Mal aus Neue wieder weh. Jedes Mal schrie
es laut auf und schimpfte: „ Hey, pass doch auf wo du hin Tritts!
Nein !“ Aber die Menschen schienen das Nein gar nicht zu hören.
Dann kam irgendwann ein kleiner Mensch nahm die Haselnuss hoch,
schaute es an und sagte irgendetwas. Die Haselnuss verstand kein
Wort von dem Gesagten.
Der kleine Mensch warf die Haselnuss in einem hohen Bogen in die
Luft. Es landete auf einer Wiese. Bevor die Haselnuss ihre Gedanken
und Gefühle sammeln konnte, kam der kleine Mensch und stampfte mit
dem Fuß fest auf die Haselnuss ein. Dies wiederholte der kleine
Mensch solange bis die Haselnuss im Boden versunken, nicht mehr
zu sehn war. Erst dann hörte er auf und ging.„Endlich, endlich!“
jammerte die Haselnuss „ mir tut alles weh. Die Schale, der Kern,
das Herz! Wie kann man nur so grausam sein und eine arme, kleine
Haselnuss so sehr quellen, oh mir tut alles so schrecklich weh,
oh, oh!“ Die Haselnuss begann zum ersten Mal in seinem Leben an
bitterlich zu weinen. Es weinte so lange bis es ein schlief.
Als es wach wurde stellte es fest, dass es unter der Erde gar nicht
so schlecht war. Unter der Erde gab es kein Menschen, die es traten
und außerdem schützte die Erde es vor dem Wind. Da keiner es aus
der Erde holte und der Wind es nicht weg blasen konnte, blieb die
Haselnuss dort. Unter der Erde bekam die Haselnuss weder etwas von
dem Geschehen, noch viel von dem Wetter, über der Erde mit.
Wenn es sehr kalt wurde fror der Boden und bei starkem Regen wurde
der Boden nass, matschig. Trotzdem gefiel es der Haselnuss dort
wo es jetzt war. So verging die Zeit Tag ein Tag aus. Mal regnete
es, mal schneite es und mal hagelt es. Irgendwann fühlte sich der
Boden warm an. Die Sonnenstrahlen drangen bis in die Tiefe des Bodens
durch. Nach sehr langer Zeit spürte die Haselnuss endlich wieder
die wohltuende Wärme der Sonne.
Im Laufe der Zeit hatte sich die Haselnuss verändert, auch wenn
es nicht genau wusste was die Veränderungen mit sich brachten, hatte
es keine Angst. Es war so als sollte es so sein und die Haselnuss
nahm die Veränderung einfach hin.
Auch wenn die Haselnuss nur noch Abneigung und Verachtung gegen
den Mutterbaum spürte, erinnerte es sich immer häufiger an dessen
Aussagen. Der Mutterbaum hatte gesagt, dass jeder in seinem Leben
eine Aufgabe hatte. Die Veränderung müsste was mit der Aufgabe zu
tun haben, die die Haselnuss hatte. „Das muss so sein, da ich nach
der Trennung überlebt habe, muss ich einfach eine wichtige Aufgabe
haben“, dachte sich die Haselnuss.
Also beschloss es, sich der Aufgabe seines Lebens zu stellen. Seit
dem Zeitpunkt verging die Zeit viel schneller und das Leben war
ertragbarer. Irgendwann wurde aus der kleinen Haselnuss ein Pflänzchen
und dann nach einer Zeit ein kleiner Baum. Eines Tages stellte die
Haselnuss, die Mittlerweile nun ein Haselnussbaum war fest, dass
es die ersten Blätter und Blüten trug. Der kleine Haselnussbaum
spürte einen großen Stolz in sich, dieser durch strömte den ganzen
Baum. Plötzlich wurde dem jungen Baum klar, dass es nun selbst ein
Mutterbaum war.
„ Das also ist meine Aufgabe, ich bin ein Mutterbaum und darf viele
kleine Haselnüssen das Leben schenken, sie groß ziehen! Das heißt
aber, dass ich sie irgendwann los lassen und gehen lassen muss!
O Gott nein, “ stöhnte der Baum und streckte sich dabei noch hoch
in den Himmel empor.
Dann schrie der Baum laut in die Welt hinein: „Oh, nein. Es ist
aber wie es ist, ich werde meine Aufgabe erfüllen. Ich werde aber
alles anders, besser als meine Mutter machen.“Gesagt getan. Der
Baum begann sich voll und ganz auf seine kleinen Blätter und Blüten
zu konzentrieren. Immer und immer wieder erinnerte es sich an seinen
Vorsatz: „ Ich werde alles besser machen!“
Die kleinen Blüten wuchsen im Laufe des Jahres zu kleinen Haselnüsschen.
Damit der Nachwuchs groß, kräftig und heranreifen konnte arbeitete
der Baum tag täglich sehr hart. Es liebte jedes einzelne Blatt,
jede einzelne Haselnuss auf ein andere Art und Weise, aber es liebte
alle. Diese Liebe gab es aus ganzem Herzen weiter an jedes einzelne
Blatt, an jede einzelne Nuss.
Jedes war für sich einmalig und einzigartig. Manchmal hatte der
Baum das Gefühl, das es vor Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Überanstrengung
einfach nur Tod umfallen könnte. Allein der Anblick seines Nachwuchses
aber reichte zum weiter machen aus. Der Anblick war eine Quelle
von dem der Baum Kraft tanken konnte.
Eines Tages packte plötzlich eine Angst, eine Unruhe den Baum.
Es spürte dass die Nüsse immer größer, reifer und schwerer würden.
Als der Baum seinen Nachwuchs anschaute, sah und spürte es ganz
genau, dass es bald so weit sein würde. Die Blätter, die Nüsse würden
es bald verlassen. Der Baum sammelte sich und schmiedete einen Plan.
Nach einer Zeit gab es bekannt, dass es eine wichtige Anrede halten
wollte. Dann hielt der Mutterbaum seine Rede. Es informierte die
jungen Blätter und Nüsse über die Zeit, die ihnen bevor stand. Der
Baum beobachtete wie einige aufmerksam zu hörten, einige vor sich
hin stöhnten, andere gar nicht zu hörten. Ein Teil ließ alles nur
einfach über sich ergehen. „ So war es damals bei uns auch“, erinnerte
sich der Baum, „die Mutter hat damals bestimmt auch alles so wie
ich jetzt wahrgenommen. Aber ich, ich mache es anders, besser!“
Als es mit seiner Ansprache fertig war stellte es fest, das seine
Ansprache zwar anders als die seiner Mutter war, jedoch hatte es
viele mehr Gemeinsamkeiten als es dem Baum lieb war.
Auch wenn sich der Baum immer wieder vor nahm alles anders zu machen,
sprach es genau wie seine Mutter sehr oft zu seinem Nachwuchs. Dann
kam der Tag auf den es sich gefreut und vor dem es sich zu gleich
auch fürchtete. Eines der Haselnüsse hing nur noch locker am Ast.
Es konnte jeden Moment fallen. Das auf und ab der Gefühle brachte
den Baum fast um den Verstand. Der Baum stöhnte vor sich hin: „Was
mache? Wie reagiere ich? Es ist keine kleine Haselnuss mehr, es
ist erwachsen! Ach meine kleines nun groß gewordene Kind!“ Der Baum
spürte, dass sich die Haselnuss in wenigen Minuten lösen würde.
Es war unumgänglich die Trennung war bereits im Gang. Der Baum atmete
tief ein und sagte zu der Haselnuss: „ Mein Kind ich habe dir alles
gegeben was ich geben konnte. Ich habe dich begleitet so weit es
mir möglich war. Ich hätte dich so gerne vor dem Unheil, der Last
dieser Welt bewahrt, aber es ist mir nicht möglich. Nun bist du
reif, stark und für das Leben gewappnet, deswegen lasse ich dich
los!“
Bitte vergiss nicht: „ Du bist und bleibst etwas Besonderes! Du
wirst es schaffen! So wie ich und alle Generationen vor uns.“m„
Ich werde immer bei Dir sein. Ich liebe dich!“
Kaum hatte der Baum sein letztes Wort aus gesprochen fiel die erste
Haselnuss vom Baum. Der Baum sah die Haselnuss fallen, es hörte
die Haselnuss schreien, meckern, wimmern und bitten. Dann landete
die Haselnuss auf dem Boden. Es sagte und machte nichts mehr. Der
Baum war vor Ohnmacht, Schmerz wie erstarrt und trotzdem voller
Freude. Die Gefühle waren so über rumpelnd und intensiv, das der
Baum zu keiner Reaktion fähig war. Die gerade gefallene Haselnuss
wurde von einem heftigen Windstoß in die Ferne getrieben. Erst jetzt
war der Baum in der Lage die ganze Spannung, Ängste, Freude und
letzt endlich die Haselnuss los zu lassen. Der Baum weinte nun zum
zweiten Mal in seinem Leben.
Irgendwann hörte der Baum auf zu weinen und versuchte seine Gedanken,
Gefühle zu ordnen. Die Erkenntnis schoss wie eine Kugel durch den
Baum durch. „Oh Mutter, so ist es dir also bei unserem Abschied
ergangen. Deswegen hast du nicht reagiert, nicht mich vom Fallen
abgehalten. Deswegen hast du mich mit deinen Predigten voll geredet.
Oh Mutter, jetzt, jetzt verstehe ich dich! Jetzt erst nach dem ich
es selbst erlebt habe, weis ich was ich für dich bedeutet habe und
was du mir mit deinem Spruch sagen wollt es.
„Das Leben ist teilweise hart, zeitweise grausam und oft nicht
gerecht, aber es ist egal ob kurz oder lang, immer lebenswert. Jeder
von uns hat eine mehr oder weniger große Aufgabe! Oh Mutter verzeih
mir meinen Hass!“ Der Baum wüsste ganz genau, dass der Mutterbaum
es hörte und spürte. Es atmete ganz tief ein und schrie in die Welt
hinein: „ Danke Mutter! Ich liebe Dich!“
Offenbach, den 23.11.2008
In Liebe meinen beiden Söhnen gewidmet
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